Bundesliga-Rekorde, die vielleicht nie fallen
Manche Rekorde sind schlicht sehr gut. Andere stammen aus einem anderen Universum — aufgestellt unter Bedingungen, die es nicht mehr gibt, von Spielern, die statistische Ausreißer waren. Hier sind die Bundesliga-Marken, die unantastbar wirken — und die eine, die alle für unantastbar hielten, bis sie fiel.
365 Tore — Gerd Müllers Karrierebilanz
Gerd Müller erzielte 365 Bundesliga-Tore in 427 Spielen. Das ist kein Tippfehler, und es lohnt sich, einen Moment damit zu sitzen: ein Tor alle 1,17 Spiele, durchgehalten über fünfzehn Spielzeiten.
Zur Einordnung: Der Zweite der ewigen Liste ist Robert Lewandowski, einer der größten Mittelstürmer, den dieser Sport hervorgebracht hat. Er kam in zwei Etappen und einem Jahrzehnt fast völliger Dominanz auf 312 — und brauchte dafür rund hundert Einsätze mehr. Der Abstand zum dritten Platz ist ein Abgrund.
Diesen Rekord zu brechen würde erfordern, dass ein wirklich erstklassiger Stürmer mit 20 nach Deutschland kommt, sich nie verletzt, nie nach Spanien oder England wechselt und fünfzehn Jahre lang in einem Takt trifft, den fast niemand je erreicht hat. Allein die moderne Transferökonomie macht das nahezu unmöglich.
40 Tore in einer Saison — nach 49 Jahren endlich gebrochen
Der eine, der fiel. Müller traf in der Saison 1971/72 40-mal in der Liga, und der Rekord stand danach neunundvierzig Jahre unangetastet. Stürmer kamen gelegentlich nah heran. Vorbei kam niemand.
Dann, 2020/21, erzielte Robert Lewandowski 41 — und tat es mit Stil: Am letzten Spieltag brauchte er ein Tor und machte es in der Nachspielzeit. Es bleibt die beeindruckendste Einzelsaison der modernen Bundesliga, und dass es ein halbes Jahrhundert und einen Jahrhundertstürmer brauchte, um Müllers Zahl um ein einziges Tor zu verschieben, sagt alles über das Original. Die ganze Geschichte beider Saisons haben wir separat aufgeschrieben (auf Englisch) — sie hat es verdient.
Fünf Tore in neun Minuten
Am 22. September 2015 lag Bayern zur Halbzeit 0:1 gegen Wolfsburg zurück. Lewandowski kam als Einwechselspieler und schoss fünf Tore in neun Minuten. Nicht fünf in einem Spiel — fünf in neun Minuten. Die Leute von Guinness mussten anrücken.
Es ist die Art Rekord, die theoretisch brechbar ist — jemand könnte sechs in acht Minuten schießen — und praktisch absurd. Es brauchte das perfekte Zusammentreffen aus einem großartigen Stürmer, einer zerfallenden Abwehr und einer Chancenverwertung, die in einem Videospiel unglaubwürdig aussähe.
442 Spiele in Folge — Sepp Maier
Bayerns Torhüter bestritt 442 Bundesliga-Spiele hintereinander, über mehr als ein Jahrzehnt, ohne eines zu verpassen. Keine Sperre, keine Verletzung, die er nicht durchgespielt hätte, keine Rotation. Modernes Kadermanagement würde das schon verhindern, wenn ein Spieler körperlich dazu in der Lage wäre — Torhüter werden für Pokalspiele geschont, und niemand soll zwölf Jahre lang jede Minute jeder Saison spielen.
11 Meisterschaften in Folge — Bayern, 2013 bis 2023
Elf am Stück. In keiner anderen großen europäischen Liga gibt es dazu ein Gegenstück. Juventus schaffte neun in der Serie A; Bayern legte zwei drauf, und über weite Strecken war es nicht einmal knapp.
Wiederholbar ist das womöglich nie, weil es eine sehr bestimmte Konstellation brauchte: einen finanziell übermächtigen Verein, eine Ligastruktur ohne ernsthaft herausgeforderte Investitionsgrenze und die Gewohnheit, schlicht den besten Spieler des jeweils gefährlichsten Rivalen zu kaufen. Als Leverkusen die Serie 2024 endlich beendete, brauchte es dafür eine ungeschlagene Saison. Das ist die Messlatte, die diese Serie gesetzt hat.
90 Punkte und ungeschlagen — Leverkusen, 2023/24
Der jüngste Eintrag und wohl der bemerkenswerteste. Bayer Leverkusen kam durch die komplette Bundesliga-Saison 2023/24, ohne ein Ligaspiel zu verlieren: 28 Siege, 6 Unentschieden, 0 Niederlagen, 90 Punkte — und der erste Titel der Vereinsgeschichte.
Kein Verein war je eine volle Bundesliga-Saison ungeschlagen geblieben. Dass es ausgerechnet „Neverkusen“ zuerst gelang — einem Verein, dessen Spitzname ein Denkmal für knappe Fehlschläge war — ist die Sorte Wendung, die man in einem Roman als zu passend ablehnen würde. Warum ungeschlagen und perfekt so verschiedene Dinge sind, haben wir hier ausführlicher beschrieben (auf Englisch).
91 Punkte — Bayern, 2012/13
Der Punkterekord, aufgestellt im Triple-Jahr: 29 Siege, 4 Unentschieden, 1 Niederlage. Leverkusens ungeschlagene Saison brachte trotz null Niederlagen weniger Punkte (90), weil sie sechsmal remis spielten und Bayern schlicht öfter gewann. Eine schöne Illustration der Spannung, um die sich diese ganze Seite dreht: alles zu gewinnen ist eine andere Disziplin, als nichts zu verlieren.
Der Rekord, den niemand hält
Und dann der eine, der leer bleibt. In sechzig Jahren, über jede große Mannschaft hinweg, die diese Liga hervorgebracht hat — Beckenbauers Bayern, Netzers Gladbach, Sammers Dortmund, Guardiolas Bayern, Alonsos Leverkusen — hat niemand alle 34 Spiele einer Saison gewonnen.
Das ist der Rekord, für dessen Jagd 34-0-0 existiert. Du wirst mit ziemlicher Sicherheit scheitern. Alle anderen auch.
