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Der Klassiker

Bayern München gegen Borussia Dortmund ist nicht Deutschlands ältester Vergleich, nicht der lokalste und nicht der bitterste. Es ist schlicht der, in dem entschieden wird. Hier steht, wie es dazu kam — und warum es in Dortmund bis heute wehtut.

Eine Rivalität ohne Geografie

Die meisten großen Fußballrivalitäten handeln von Nähe. Bayern und Dortmund trennen 600 Kilometer, sie liegen in verschiedenen Hälften des Landes, teilen sich keine Stadt, kein Stadion und keinen historischen Gebietsstreit. Das Revierderby — Dortmund gegen Schalke, ein paar Kilometer die Straße hinauf — ist eine weit ältere und zornigere Angelegenheit.

Was Bayern–Dortmund stattdessen hat, ist Einsatz. Über weite Strecken der letzten zwanzig Jahre waren das die beiden Vereine, die die Meisterschaft gewinnen konnten, und in diesem Spiel wechselte der Titel tatsächlich den Besitzer. Der Name „Der Klassiker“ ist ein moderner, leicht konstruierter Import — eine Verbeugung vor Spaniens El Clásico — und gerade Dortmunder Fans haben ihn nie ganz akzeptiert. Kleiner werden die Spiele dadurch nicht.

Die 1990er: Dortmund taucht auf

Das Fundament entstand, als Dortmund als erster Verein seit Langem Bayern wirklich übertraf. Unter Ottmar Hitzfeld holte man 1995 und 1996 zwei Meisterschaften in Folge, mit Matthias Sammer als Libero hinter allem, und ging dann weiter, als Bayern es zwei Jahrzehnte lang geschafft hatte: 1997 die Champions League, mit einem Finalsieg über Juventus.

Das Muster, das die Rivalität prägen sollte, war da bereits sichtbar: Dortmund baute etwas Brillantes, und Bayern antwortete, indem es den Mann verpflichtete, der es gebaut hatte. Hitzfeld übernahm 1998 in München.

Die 2010er: Klopp und die Maschine, die antwortete

Hier wurde die Rivalität zu dem, was sie heute ist. Jürgen Klopps Dortmund wurde 2011 Meister und verteidigte den Titel 2012 — beim zweiten Mal mit einer Rekordpunktzahl und einem 5:2 gegen Bayern im Pokalfinale. Es war junger, wilder, unermüdlich pressender Fußball, und er schlug den reichsten Verein des Landes mit einem Bruchteil des Etats.

Bayerns Antwort ist das Wichtigste, was man über den deutschen Fußball jenes Jahrzehnts verstehen muss. Sie wurden nicht einfach besser. Sie holten Pep Guardiola — und sie kauften Dortmunds beste Spieler.

Wembley, 2013

Der Höhepunkt. Ein rein deutsches Champions-League-Finale in Wembley, Bayern gegen Dortmund, entschieden durch ein Tor von Arjen Robben in der 89. Minute. Bayern gewann in jener Saison unter Jupp Heynckes das Triple, und es bleibt die kompletteste Spielzeit, die ein deutscher Verein je hingelegt hat.

Es hätte der Beginn einer großen Zwei-Klub-Ära sein sollen. Es war stattdessen ihr Ende.

Die Transfers, die alles zerbrachen

Mario Götze — Dortmunds selbst ausgebildetes Ausnahmetalent — wurde vor diesem Finale als Bayern-Spieler verkündet, während Dortmund sich noch darauf vorbereitete. Ein Jahr später folgte Robert Lewandowski, ablösefrei. Mats Hummels ging 2016.

Was immer man von der Moral hält: Die Wirkung war klinisch. Bayern schlug seinen engsten Rivalen nicht bloß; es zerlegte ihn, nahm die brauchbaren Teile auf und gewann anschließend von 2013 bis 2023 elf Meisterschaften in Folge — eine Serie ohne Gegenstück in einer großen europäischen Liga. Dortmund verbrachte den Rest des Jahrzehnts als Bester der Übrigen, und darauf lässt sich schwer eine Rivalität bauen.

2023: der Tag, an dem es fast kippte

Der grausamste Nachmittag dieser Rivalität. Am letzten Spieltag der Saison 2022/23 musste Dortmund zu Hause nur Mainz schlagen, um Meister zu werden. Nach einer halben Stunde lag man 0:2 zurück, verschoss einen Elfmeter und kam zu einem 2:2. Bayern gewann in Köln in der Nachspielzeit und holte den Titel über die Tordifferenz.

Dortmunds Spieler sanken vor einem vollen Westfalenstadion zu Boden, das gekommen war, um zu feiern. Es ist eines der schmerzhaftesten Dinge, die der deutsche Fußball hervorgebracht hat, und die perfekte Verdichtung dieses Duells: Dortmund kommt nah heran, und dann gewinnt Bayern trotzdem.

2024: jemand anderes schafft es

Die Serie endete endlich — und in einer letzten Demütigung für Dortmund war es nicht Dortmund, das sie beendete. Bayer Leverkusen blieb die gesamte Saison 2023/24 ungeschlagen und holte den Titel, die erste Spielzeit der Bundesliga-Geschichte in der Nähe einer makellosen Bilanz. Dortmund wurde Fünfter — und erreichte trotzdem das Champions-League-Finale, weil Fußball kein seriöser Sport ist.

Warum das für dieses Spiel zählt

Wer 34-0-0 lange genug spielt, dem legt die Walze irgendwann Bayern der 2010er und Dortmund der Klopp-Ära im selben Draft hin — und dann baut man eine Mannschaft aus beiden. Lewandowski und Hummels sind diesen Weg im echten Leben gegangen, es gibt also einen Präzedenzfall.

Die beiden Kader gehören zu den stärksten modernen Ziehungen im Spiel — Neuer, Lahm, Robben, Ribéry und Lewandowski auf der einen Seite; Klopps junges, unermüdliches Dortmund auf der anderen. Einen davon zu ziehen ist ein guter Tag. Beide zu ziehen ist der Anfang perfekter Saisons. Mehr dazu, für welche Epochen sich das Drehen lohnt.

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